aus: Gernot Minke, Das neue Lehmbauhandbuch: Baustoffkunde, Konstruktionen, Lehmbauarchitektur, 5. überarbeitet und erweiterte Auflage; Staufen bei Freiburg: Ökobuch, 2001:

 

[...]"Lehm als das wichtigste natürliche Baumaterial ist in den meisten Gegenden der Welt vorhanden und fällt häufig direkt auf der Baustelle beim Aushub der Fundamente und des Kellers an. Auch in den Industrieländern, in denen sorglos mit den Ressourcen der Erde umgegangen wird, und durch eine zentralisierte, kapital- und energieintensive Produktion Energie vergeudet, die Umwelt verschmutzt und Arbeitsplätze vernichtet werden, wird Lehm als Baustoff eine Renaissance erleben. Immer mehr Bauherrinnen und Bauherren fordern ein energie- und kostensparendes Bauen, legen Wert auf ein gesundes ausgeglichenes Raumklima und begreifen, dass der natürliche Baustoff Lehm den industriellen Baumaterialien wie Beton, Ziegel, Kalksandstein und Porenbeton überlegen ist."[...]

 


Auch wenn der Versuch gemacht wurde, Richtlinien für die Lehmbautechniken aufzustellen, ist die eigene Erfahrung beim Umgang mit dem Baustoff Lehm durch kein Lehrbuch zu ersetzen.[...]

Lehm kommt in tausendfach unterschiedlicher Zusammensetzung vor und muß dementsprechend immer wieder anders verarbeitet werden.[...]

In Fast allen heiß-trockenen und gemäßigten Klimazonen der Erde war Lehm das vorherrschende Baumaterial. [...]

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben die subjektive Wahrnehmung bestätigt:

Lehm kann in wesentlich stärkerem Maße zur Verbesserung des Wohnklimas beitragen als andere Baustoffe. [...]

 

 


Vorteile:

Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit Lehm kann relativ schnell Luftfeuchtigkeit aufnehmen und diese bei Bedarf wieder abgeben. Dadurch reguliert er die Feuchtigkeit der Raumluft und trägt somit zu einem gesunden Raumklima bei. [...]

Messungen über einen Zeitraum von 5 Jahren in einem Wohnhaus in Kassel mit Wänden aus Lehmsteinen, Lehmsträngen bzw. Leichtlehm, ergaben, dass die relative Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen das ganze Jahr über nahezu konstant war. Sie betrug im Mittel 50% und schwankte lediglich um 5%. Diese konstante Luftfeuchtigkeit erzeugt ein äußerst angenehmes und gesundes Wohnklima. Sie verhindert ein Austrocknen der Schleimhäute, reduziert Feinstaubbildung und wirkt somit vorbeugend gegen Erkältungskrankheiten.

Lehm speichert Wärme, ähnlich wie andere schwere Baustoffe, Wärme und kann somit zur Verbesserung des Wohnklimas und bei passiver Sonnenenergienutzung zur Energieeinsparung beitragen.

Lehm spart Energie und verringert die Umweltverschmutzung Lehm benötigt bei der Aufbereitung und Verarbeitung im Gegensatz zu anderen Baustoffen sehr wenig Energie und trägt somit kaum zur Umweltverschmutzung bei, er braucht nur etwa 1% der Energie, die für die Herstellung von Mauerziegeln oder Stahlbeton notwendig ist.

Lehm ist stets wiederverwendbar. Der ungebrannte Lehm ist jederzeit und unbegrenzt wiederverwendbar. Trockener Lehm braucht nur zerkleinert und mit Wasser angefeuchtet werden und schon lässt er sich wieder verarbeiten. Lehm kann im Gegensatz zu anderen Baustoffen niemals als Bauschutt die Umwelt belasten.

Lehm spart Baumaterial und Transportkosten. Auf den meisten Baustellen in Mitteleuropa fällt Lehm beim Aushub der Keller und/ oder der Fundamente an. Enthält er nicht zuviel Ton und keine zu großen Gesteinspartikel, so kann er im erdfeuchten Zustand mit den meisten Lehmbautechniken direkt eingesetzt werden. Enthält er zuviel Ton, so muß er „gemagert“ , das heißt zb. mit Sand vermischt werden. (Anm.: Stroh, Heu, Sägespäne, ...)

• Lehm eignet sich für den Selbstbau.Mit Hilfe einer fachkundigen Person können Lehmbauarbeiten in der Regel angeleitet von Laien ausgeführt werden. Da für traditionelle Lehmbautechniken einerseits nur ein minimaler Geräteaufwand notwendig ist, andererseits diese Techniken aber arbeitsaufwendig sind, eignen sie sich besonders für den Selbstbau.

• Lehm konserviert Holz. Bedingt durch die geringe Gleichgewichtsfeuchte von Lehm, 0,4 bis 6 Gewichtsporzenten (je nach Tongehalt, Tonart und Feuchtegehalt der Luft), werden Holz und andere organische Stoffe, die von Lehm umgeben sind, entfeuchtet bzw. trockengehalten, so dass diese nicht von Pilzen oder Insekten befallen werden. Insofern kann man von einer Konservierung durch Lehm sprechen. [...]

• Lehm bindet Schadstoffe. Daß Lehm Schadstoffe aus der Raumluft absorbiert, wird häufig erwähnt. [...] Die Fähigkeit der Tonminerale, Fremdstoffe bzw. Schadstoffe zu binden, wird auch von der Industrie benutzt.

• Lehm schirmt hochfrequente Strahlungen ab. Lehm schirmt Räume gegen Hochfrequente Strahlung von Mobilfunknetzen, schnurlosen Telefonen, UMTS und GPS wesentlich besser ab als andere massive Wandbaustoffe. Während übliche Dachdeckungen mit Ton-oder Beton-Dachziegeln nur eine minimale Dämpfung ergeben, dämpft ein 24 cm dickes Lehmsteingewölbe diese Strahlung zu 99,9 bis 99,9999% ab. Zum Einfluß der Luftfeuchte auf die Gesundheit Es ist bekannt, dass eine relative Luftfeuchte von weniger als 40% zu einer Austrocknung der Schleimhäute und somit zu einer erhöhten Anfälligkeit für Erkältungskrankheiten führen kann, denn trockene Luft beeinträchtigt die Reinigungsfunktion der Luftröhrenoberfläche.[...]

Eine hohe relative Luftfeuchte hat viele positive Einflüsse auf die Behaglichkeit des Raumklimas: Sie verringert den Feinstaubgehalt der Luft, aktiviert die Abwehrfähigkeit der Haut gegenüber Mikroben, verringert die Lebensdauer vieler Bakterien und Viren, reduziert Geruchsbelästigungen und vermeidet eine störende elektrostatische Aufladung im Raum. [...] Aus diesen Gründen sollte der Feuchtegehalt in Räumen möglichst 50%, mindestens aber 40% und nicht mehr als 70% betragen. [...]“

 

Im Vergleich zu den üblichen industriell gefertigten Baustoffen hat Lehm drei Nachteile:

• Lehm ist kein genormter Baustoff. Lehm ist eine Mischung aus Ton, Schluff (Feinstsand) und Sand, die auch gröbere Bestandteile wie Kies, Schotter oder Steine enthalten kann. Lehm weist je nach Fundort unterschiedliche Eigenschaften auf und muß deshalb je nach Verarbeitungstechnik unterschiedlich zusammengesetzt sein.

Es ist also notwendig, seine Zusammensetzung zu kennen, um deren Eigenschaften beurteilen und gegenfalls durch Zusätze verändern zu können.

• Lehm schwindet. beim Austrocknen Durch die Verdunstung des Anmachwassers, das notwendig ist, um Lehm verarbeiten zu können und seine Bindekraft zu aktivieren, reduziert sich sein Volumen, es entstehen „Trocken-“ bzw. „Schwindrisse“.

Das lineare Trockenschwindemaß, das Maß, das die Verkürzung eines prismatischen Probelörpers beim Austrocknen angibt, beträgt bei Nasslehmverfahren etwa 3-12% und bei Stampflehm 0,4- 2%.

Das Schwinden kann jedoch durch Reduktion des Wassers- sowie Tonanteils und durch Optimierung der Kornzusammensetzung wesentlich verringert werden.

• Lehm ist nicht Wasserfest Lehm muß deshalb insbesondere im feuchten Zustand vor Regen und vor Frost geschützt werden. Ein dauerhafter Schutz von Lehmwänden vor Nässeeinwirkung kann durch konstruktive Maßnahmen (Dachüberstand, Spritzwassersockel, horizontale Isolierung gegen „aufsteigende Nässe“) und durch entsprechende Oberflächenbehandlungen (Anstriche, Hydrophobierung, Putze) erreicht werden .

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